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Dürfen erwachsene Männer noch Skateboard fahren? Die Brigitte meint(e): Nein!

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Die Brigitte war früher immer die Zeitung, die meine Mutter im Urlaub las. Ab und an lag sie auch mal so bei uns herum. Ich war Kind und blätterte ein wenig in ihr herum. In Erinnerung habe ich dieses Magazin als etwas sehr bodenständiges, mit einem gewissen Hang zum Konservativen und vor allem wenig experimentierfreudig. Das letzte was ich aus dieser Richtung mitbekam war das erwägte Zurückschwenken zu „normalen“ Models, nachdem man versucht Laienmodels zu installieren. Das finde ich nach wie vor mutig, verfolge es aber zu unregelmäßig.

Kommen wir zu meiner jüngsten Erfahrung mit der Zeitschrift Brigitte. Über Facebook kam ich zu diesem Link, der zu einem Artikel der Zeitschriftseite verweist. Unter der treffenden Rubrik „Männer“ ging es in diesem Artikel dann um folgendes:

Und hey, so schlimm es sich liest und mit so unendlicher Unverständnis ich diesem Statement gegenüber trete, finde ich es trotzdem mutig. Sogar supermutig, mit so einer Aussage ins Internet zu galoppieren. Aber: Wer mit so einer polarisierenden Meinung in das Medium Internet steuert, dem muss klar sein, dass er auf heftigen Gegenwind stoßen wird. Und dies scheint bei Brigitte irgendwie nicht der Fall gewesen zu sein. Anstatt gewisse Untiefen und Stromschnellen zu umschiffen und die Gelegenheit beim Schopf zu packen um die Situation zu nutzen sich kontrovers mit Kritikern auseinander zusetzen, zog man lieber den Artikel unter folgender Meldung (vorübergehend) zurück:

Das ist nicht nur schade der verpassten Gelegenheit wegen, sondern irgendwie auch ein bisschen feige. Die gute BRIGITTE.de-Redakteurin Bianka Echtermeyer hätte eine super Plattform gehabt, ihre Meinung und ihre Aussage zu konkretisieren und speziell tiefer darauf einzugehen. Anstatt so plumpe und allgemein gültige Äußerungen kundzutun. Schade, Brigitte. Nun bleibt da dieser fade Beigeschmack mangelnder Meinungsfreiheit zurück und einer vergebenen Gelegenheit als Printmedium das Internet als Publikationmedium verstanden zu haben.

Update 29.11.2012 16:30
Der gerade erwähnte Artikel und eine nicht ganz zu erwartende Stellungnahme befinden sich nun wieder online. Ähnlich verhält es sich mit den dazugehörigen Kommentaren. Ob man allerdings einen solchen Artikel mit „Es gibt Dinge, die lösen bei mir große Aggressionen aus.“ beginnen sollte um dann das bereits geschriebene mit „…die Frage, ob Männer ab einem bestimmten Alter wirklich noch Skateboard fahren müssen. Es ist und bleibt Geschmackssache der Autorin, wie sie das findet.“ zu revidieren, verwundert mich dann doch. Auf die Masse unqualifizierter Kommentare möchte ich nicht näher eingehen. So ist das Internet. Wer harten und polarisierten Tobak ins Netz wirft, darf sich eben auf ein zu erwartendes Echo freuen. Ich selber finde das weder gut, noch unterstütze ich solche Art von Kommentaren. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie sich die Sache noch entwickeln wird.

Update 29.11.2012 17:00
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Update 29.11.2012 18:43
Artikel auf SpOn

Es gibt 24 Kommentare zu “Dürfen erwachsene Männer noch Skateboard fahren? Die Brigitte meint(e): Nein!”

  1. Christian Pier

    Wenn man einen Artikel mit „Es gibt Dinge, die lösen bei mir große Aggressionen aus.“ beginnt, ist man vielleicht auch überhaupt nicht an tiefgründigen Diskussionen interessiert. Insofern war es sicher am besten für alle, das Ding schnell wieder zu entfernen.

  2. Flix

    Sowas kann doch kein Mensch ernst nehmen… So wie ich das lese ist die Autorin selbst in einer Midlife Crisis oder ähnliches und versucht ihrer Verunsicherung („nichtmehr das tun zu können was man noch mit 20 kann“) freien lauf zu lassen und beleidigt meiner Meinung nach Menschen die eben auch noch mit 30 Skateboard fahren, weil ihnen der Sport spass macht. Was ihr gutes Recht ist und auch nichts mit dem Alter zu tun hat…
    Es ist eine Sportart wie jede andere auch liebe Autorin!
    Wenn sie so denkt sollte sie auch nicht das Beispiel des Fussballspielens nehmen, weil dies nach ihrem Denken genausogut zu den Aktivitäten gehören könnte was „ältere“ Männer mittleren alters nichtmehr „dürfen“. Das was sie fabriziert ist Spießbürgertum größten Ausmaßes und meiner Meinung nach hat so eine Person auch nichts in St. Pauli zu suchen…. Lächerlich

    • Philipp Jung

      Ich bezweifle auch sehr stark, dass man sich näher mit dem Skatesport auseinandersetzte. Aber es ist ja nur die Meinung der Autorin und nicht der „gesamte Sport“ gemeint, den man verteufeln wollte. BTW: Viele großartige Punkte in diesem Artikel.

  3. Ralf

    Der Artikel könnte auch in der BILD erschienen sein. In seiner reißerischen Aufmachung und aggressiven Art wie er Skater und deren Kultur angeht ist er Zeugnis davon das die Autorin sich weder über das Skateboarding informiert hat geschweige denn die Personen journalistisch befragt hat. Einfach eine Abrechnung, Zeugnis über Unverständnis, Lückenfüller in einer Zeitschrift deren Leser von der Materie genauso wenig Ahnung haben. Eine Statement des Hasses gegenüber einer ganzen Kultur. Einfach Dumm. Und ich bin kein Skater der seinen Sport verteidigen will, ich bin eigentlich der Antisportler in Person. Aber Defamierung einer Generation übergreifenden Bewegung aus persönlicher Abneigung sind mir zuwider.

    • Philipp Jung

      Du sprichst mir aus dem Herzen. Das trifft ziemlich genau auch meine Meinung. Ich kann immer noch nicht verstehen, wie so ein Artikel es überhaupt schaffen kann, bei einer Zeitung dieser Größenordnung eine Veröffentlichung zu bekommen.

  4. Udo Engel

    Was mich an dem Artikel eigentlich viel mehr ärgert, als der Angriff auf die Skaterszene, ist die Tatsache, dass er so unprofessionell verfasst wurde. Sämtlichen Professoren für Journalismus dürften sich die Zehennägel in Spiralen nach oben drehen, wenn sie diesen Text lesen. Es ist in Ordnung, provokante Texte zu verfassen – WENN man dann auch die Eier dazu hat, dafür geradezustehen (war das jetzt doppeldeutig? Kann Fr. Echtermeyer am Ende gar nichts dafür?).
    Wenn ich für ein Unternehmen Texte verfasse, der von potentiellen 100.000en von Menschen gelesen wird (und dafür auch noch bezahlt werde), müsste ich mir dann vorher nicht Gedanken machen, WAS ich WIE formuliere, wer meine Zielgruppe ist und ob ich damit für diese oder weitere Personen einen Mehrwert schaffe? Der Text hätte ja durchaus noch interessant werden können, wenn am Ende die Motivation der Autorin klar geworden wäre – leider hat sie diese Chance verpasst.

    Das nächste Mal klappt es – bestimmt 🙂

  5. Anonymous Kalus

    Albern…
    „Oh Gott, der Artikel ist so schlimm, weil er uns coole Skaterboys nicht ernst nimmt…“
    Alle, die sich über diesen so alltäglichen Artikel aufregen sind für mich absolut nicht ernst zu nehmen.

  6. Armes Deutschland

    Oje – warum nur die ganze Aufregung. Ich empfehle allen, die sich im Netz so schrecklich über die Brigitte-Kolumne echauffieren (= aufregen), mal folgende Begriffe zu googeln: Glosse – darum handelt es sich nämlich, und gleich dazu, weil das eine Glosse ausmacht, die Begriffe Ironie, Parodie, Polemik!!!
    Was mich an dem ganzen Fall stört, ist vielmehr, wie unprofessionell sich die „Brigitte“-Redaktion offentsichtlich verhalten hat und verhält, in dem sie sich für den Artikel entschuldigen und ihn „entfernt“ haben. Denn es handelt sich um eine ganz normale Glosse, für die sich niemand entschuldigen oder rechtfertigen muss. „Eines der beliebtesten Stilmittel von Glossenschreibern ist die Ironie, die freilich auch zur Quelle von Mißverständnissen werden kann.“ (http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/washeisst/Glosse.htm).

    • Schabba

      Mag sein, dass sich eine Kolumne gerne mal durch die von dir genannten Attribute auszeichnet. Da ich selbst schreibe und schon einige Kolumnen verfasst habe – an dieser Stelle: Ich bin selbst Mitte 30, Skater und weiß, was echauffieren bedeutet -, kann ich mir schon ein Urteil darüber beilden, was eine eben solche ausmacht. Das Problem bei Biankas Artikel ist schlichtweg die Tatsache, dass er weder durch Wort- noch durch Sprachwitz auffällt, sondern nur eins ist: beleidigend. Von schreiberischer Fertigkeit ist in dieser „Glosse“ so ziemlich gar nichts zu spüren, und es drängt sich der (legitime) Verdacht auf, dass die Autorin hier tatsächlich einfach nur ihre eigene Meinung kundtun wollte. Wie gesagt, wäre der Artikel qualitativ so hochwertig, dass er wirklich als als sarkastisch oder ironisch durchgegangen wäre, hätte ich bestenfalls noch ein müdes Lächeln hervorbringen können. Aber das zeigt mal wieder, dass man von einem „Frauenmagazin“, das ständig Themen wie Diäten und Mode-Mist für sich beansprucht, eben keine Qualität in einem Metier erwarten kann, das über deren Horizont hinausgeht. Und wie du schon sagtest, war die BRIGITTE-Redaktion hier auch nicht konsequent und professionell genug – was einmal mehr die „Qualität“ dieses Blättchens beweist… Ach, diese kleine Autorin soll ruhig weiter in dem Glauben ihre „lustigen“ Textchen schreiben, sie wäre die fleischgewordene Carrie Bradshaw…

  7. Finn

    Midlife Crisis. Hundertprozentig. Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen.
    Ich verstehe nicht, wie man so etwas veröffentlichen kann, wo doch eigentlich jeder normale Mensch, der sich nur ein klein wenig mit diesem Thema beschäftigt, bemerken muss, dass sie keinen blassen Schimmer davon hat.
    Ich persönlich darf mich zwar jetzt nicht angesprochen fühlen, da ich (nach der guten Bianka) noch zehn Jahre Zeit hab, dann muss ich natürlich sofort aufhören zu skaten, aber ich finde es einfach eine Frechheit, so etwas zu schreiben. Allein schon die Beschreibung der Skateboarder „schräge Pony-Frisur“ (was bei mir nicht zutrifft) „nie lächeln“ (ich lache selbst noch wenn ich mal wieder unfreiwillig den Boden küsse) „nach der Party von letzter Nacht riechen“. Aua. Das war ja mal ziemlich weit verfehlt, im Allgemeinen.

    • Tom

      Zitat : „schräge Pony-Frisur“ …. „nie lächeln“ ….. „nach der Party von letzter Nacht riechen“.
      Das ist aber schon seeehr lange her. Fast hätte ich geschrieben, es waren die „Popper“ aus meiner Teenyzeit, aber die wären nie auf ein Skateboard gestiegen.
      Neeiin, die Dame beschrieb die „Emos“, eine Subkultur Anfang des Jahrtausends. Die hatten diesen Augenklappenhaarschnitt. Also wenn sie mit Emos rumgehangen hat, ist es klar, daß sie einen Dachschaden hat.

  8. Tom

    Im Frühling 2015 habe ich mit meinem 7-jährigen Sohn zusammen das skateboarden angefangen. Mittlerweile haben wir drei Boards: Ein „richtiges“ Skateboard in 8.875″ x 32.38″ von Titus, (m)ein 27″ Nickel (Graphics) von Penny und (s)ein 22,5″ (blau-LED) von JuicySusi. Mein Nickel wahlweise mit LED-Rollen. Skateboardkurse haben wir auch mitgemacht bzw. sie sind wieder eingeplant für 2016.

    Anfang der 80er Jahre stand ich schon mal auf meinem damaligen 24″-Brett, wollte aber lieber Motocross fahren.
    Heute bin ich 50. Bin ich wirklich 50? Oder bin ich 18 mit 32 Jahren Lebenserfahrung?
    Mittlerweile habe ich drei Motorräder und ein Auto. Gesellschaft und Politik stehen bodenständig hinter mir – und damit in der besten Position, mich bezüglich alterstypischer Reglements und Konventionen am Arsch lecken zu können.
    Das ist ja das Schöne am Älterwerden: Es kann einem völlig egal sein, was andere von einem denken.

    Ich bin mit meinem Nickel oft und lange unterwegs – wann immer ich freizeitmäßig „kürzere“ Strecken (bis zu 5 km einfach) zurücklege, für die ich kein Auto oder Motorrad anmachen möchte. Für kurze Strecken eignet sich auch das 22,5″Board, aber es fährt sich nicht ganz so stabil wie das Nickel. Dafür ist es etwas wendiger und man kann es im Supermarkt beim Einkaufen in den Korb legen. Nächstes Jahr würde ich gern 62mm Rollen ausprobieren. Muß mal den Freigang bei max. Lenkeinschlag messen
    In Süddeutschland verfügen wir über ein auch außerstädtisch gut ausgebautes Fahrradwegenetz.
    So 60-70km habe ich mit den Originalrollen (59mm-78A) schon abgecruised, aber noch nie, noch gar nie, habe ich irgendwelche zeigefingerwedelnden Möchtegernschwiegermütter, pensionierte oder auch nur passionierte „Oberlehrer“ oder sich vor lachen auf dem Boden kringelnden Teenager gesehen. Vielleicht liegt es am sozialen Umfeld – in Bayern tut man sich mit vielen Dingen einfacher. Die Brigitte-Beitragsverfasserin wohnt dem Vernehmen ja in Hamburg, da kann es schon sein, daß sie ein wenig kühl und verstockt daherkommt. Die Hansestadt gibt sich ja seit Jahrhunderten weltoffen, aber nach innen klemmts halt gewaltig.
    Solche Damen muß es auch geben. Wahrscheinlich mag sie sich selbst nicht leiden.
    Eigene Meinungen, auch in öffentlichen Printmedien individuell vertreten, muß man, wenn nicht tolerieren, so doch akzeptieren.
    Nun, man muß die Dame ja nicht gleich heiraten – obwohl das eine gute Gelegenheit wäre, ihr mal ein wenig Horizont zu vermitteln. Gerne lüde ich sie ein, mal auf das 27″-Brett zu steigen. Es ist Öko, es beißt nicht, es ist vegan und es ist, außer daß der Spaßfaktor süchtig macht, frei von Nebenwirkungen. Dazu sind die LED-Rollen echt der Hammer.
    Aber wahrscheinlich hat sie Angst, daß es ihr Spaß macht.

    • Tom

      Habe mal auf alten RitschRatschClick-Polaroids nachgeschaut. Ich hatte ein Lotus Board als Teenager. Die Rollen damals waren breiter als der Durchmesser und relativ hart. Und der Einspritzbereich der Gußform hatte diesen zeitgenössischen Kunststoffschimmer. Sakrament, daß ich das entsorgt habe…Da wär ich noch im Altersheim der Crack.
      Never trash a running System… 😀

  9. Ben

    Dass auf so einen harmlosen Artikel ein so widerlicher Shitstorm gegen die Verfasserin losgebrochen ist, ist einfach unfassbar. Beinahe hätte dieser das Leben der Brigitte-Mitarbeiterin zerstört. Und NEIN! sie hat das nicht provoziert. Und NEIN! sie hätte nicht damit rechnen müssen! Es war ihr Recht und ihr Job in diesem Glosse-Ding ihre Meinung kund zu tun. Ich als skatender 35 jähriger Mann fühle mit der Autorin und mich nicht angegriffen. Ich finde sogar, wenn man den Artikel denn ernst nimmt, hat sie sogar ein bisschen recht. Ich schäme mich eher für meine männlichen Artgenossen, die das nicht wie Männer ertragen haben, sondern mit den ekelhaftesten Methoden gegen die Verfasserin kämpften. Ich habe gehört, dass es ihr wieder etwas besser geht, sie zwar immer noch nicht gut schlafen kann. Freue mich, dass sie wieder für die Brigitte schreibt und wünsche ihr alles Gute!

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